Vorschlag für den KUNST HEUTE Preis für Kunstvermittlung 2026
Kunsthaus Lübz – Zentrum für Zirkuläre Kunst
Vorgeschlagene Institution
Institution: Kunsthaus Lübz – Zentrum für Zirkuläre Kunst
Anschrift: Kirchenstraße 20, 19386 Lübz
Träger des Hauses: Stadt Lübz
Trägerverein für die künstlerischen und administrativen Aufgaben: Circular Art Society e. V. (CAS)
Internet: zirkulaere-kunst.de | Instagram: @kunsthaus_luebz_zzk
Begründung
Hiermit schlage ich das Kunsthaus Lübz – Zentrum für Zirkuläre Kunst für den KUNST HEUTE Preis für Kunstvermittlung 2026 vor.
Das Kunsthaus befindet sich in einem ehemaligen Kaufhaus. Es wurde mit Fördermitteln für eine künstlerische Nutzung saniert. Ursprünglich sollten dort Atelierräume vermietet und eine Produzentengalerie eingerichtet werden. dieses Konzept ging nicht auf. Das Haus blieb weitgehend ungenutzt und wurde nur für einzelne Veranstaltungen geöffnet.
Die regionalen Künstlerinnen und Künstler arbeiteten meist schon in eigenen Ateliers. Geeignete Ausstellungsräume fehlten in Lübz jedoch. Deshalb entstand die Idee, das leerstehende Haus für gemeinsame Ausstellungen zu nutzen. Die Gruppe nahm Kontakt zu Wolfgang Vogt, dem Leiter der LUPINALE, auf. Das Format verbindet zeitgenössische Kunst mit besonderen Orten in Westmecklenburg. Das ehemalige Kaufhaus im Herzen von Lübz passte dazu.
Im Frühjahr 2024 stellte die Stadt das Haus zunächst für eine Ausstellungssaison mietfrei zur Verfügung. Die Künstlerinnen und Künstler brachten dafür ihre Kunst, ihre Zeit und ihre ehrenamtliche Arbeit ein. Aus dieser ersten Saison erwuchs ein kontinuierliches Betreiben des Kunsthauses.
Träger des Hauses ist die Stadt Lübz. Der gemeinnützige Verein Circular Art Society e. V. (CAS) ist auf Grundlage eines Nutzungsvertrags für die künstlerischen und administrativen Aufgaben verantwortlich. Nadja Schmalenberg gehört dem Vereinsvorstand an und koordiniert das Kunsthaus-Team. Seine Mitglieder stellen selbst im Haus aus und führen es fast vollständig ehrenamtlich. Sie planen das Programm, richten Ausstellungen ein, sichern die Öffnungszeiten, organisieren Veranstaltungen und Werkstätten, betreuen Gäste und übernehmen die Öffentlichkeitsarbeit. Sie haben das Kunsthaus zu dem gemacht, was es heute ist.
1. Ein neuartiges Ausstellungskonzept
Das Kunsthaus zeigt keine Dauerausstellung. Während der LUPINALE verändern sich die 17 Räume auf zwei Etagen immer wieder. Neue Arbeiten kommen hinzu, Präsentationen wachsen weiter oder werden abgelöst. Das Kunsthaus-Team plant diese Wechsel, stellt selbst aus und lädt weitere Künstlerinnen und Künstler aus der Region und darüber hinaus ein.
Im Kunsthaus stellen akademisch ausgebildete Künstler gemeinsam mit Kunstschaffenden ohne akademische Ausbildung aus. Entscheidend ist die künstlerische Arbeit. So kommen unterschiedliche Erfahrungen, Arbeitsweisen und Sichtweisen zusammen.
2026 kommt mit „Treffpunkt Kunsthaus Lübz“ ein neues Format hinzu, das künftig jedes Jahr stattfinden soll. Für einen Monat stellen die regionalen Künstler ihre Räume internationalen Gästen zur Verfügung und werden zu Gastgebern. Acht Kunstschaffende mit Lebens- und Arbeitswegen zwischen Slowenien, der Schweiz, Norwegen, Polen, Deutschland und Österreich zeigen Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie, Video- und Lichtkunst. Einige Arbeiten entstehen erst in Lübz.
Die Ausstellung wird nicht fertig angeliefert. Regionale und internationale Künstler arbeiten am selben Ort, tauschen sich miteinander aus und kommen mit den Menschen aus der Umgebung ins Gespräch. In den kommenden Jahren sollen jeweils andere Gäste eingeladen werden. So wird das regional getragene Kunsthaus für einen Monat im Jahr zu einem internationalen Treffpunkt.
2. Ein öffentlichkeitswirksames Rahmenprogramm
Vernissagen, Künstlergespräche, Musik, Lesungen, KunstOffen, KUNST HEUTE, Feste, Kunstauktionen und offene Mitmach-Angebote gehören fest zum Programm. Der Eintritt ist frei. Während der Öffnungszeiten sind die Künstler selbst im Haus. Besucher können fragen, zuschauen, mitreden – und manchmal zeigt sich im Gespräch ein bislang unentdecktes Talent. Das Kunsthaus-Team hat bereits mehreren Menschen Mut gemacht, ihre Arbeiten erstmals öffentlich zu zeigen, und ihnen dafür Raum gegeben.
Die Resonanz zeigt, dass dieses Konzept Menschen erreicht. Schon die erste LUPINALE-Saison im Kunsthaus zog mehr als 600 Besucher an. Im zweiten Jahr waren es bereits über 1.000. Beim Saisonstart 2026 kamen allein rund 140 Gäste. Die Feste sind stets gut besucht. Hier kommen Ausstellung, Musik und beispielsweise öffentliche Graffiti-Aktionen zusammen. Das Kunsthaus zieht nicht nur Touristen an. Auch immer mehr Lübzer Bürger schätzen es als Ort der Begegnung. Für die nötige öffentliche Wahrnehmung sorgt das Team selbst: durch Beiträge in regionalen Medien, städtische Veröffentlichungen, Kulturportale, die eigene Internetseite und soziale Medien.
Auch der internationale Ausstellungsmonat wird von Werkstätten, Künstlergesprächen und offenen Treffen begleitet. Einzelne Angebote finden außerhalb des Hauses statt, etwa im Lübzer Burggarten. Damit ist das Kunsthaus auch außerhalb seiner Räume präsent und erreicht Menschen, die sonst vielleicht keine Ausstellung zeitgenössischer Kunst besuchen würden.
3. Ein ansprechendes Kunstvermittlungsprogramm
Seit dem Schuljahr 2025/26 arbeitet das Kunsthaus regelmäßig mit dem städtischen Hort zusammen. Der Künstler Johannes Terbach leitet die Werkstätten. Während der Schulzeit arbeitet er mit den Kindern im Hort. In den Ferien kommen die Kinder mit ihren Erziehern ins Kunsthaus. In den Winterferien finden die Werkstätten im Mehrgenerationenhaus statt.
Gearbeitet wird mit Holzresten, Karton, alten Schrauben, ausrangierten Gegenständen und anderen Fundstücken. Upcycling eignet sich besonders gut für Kunstvermittlung: Aus etwas Bekanntem und scheinbar Wertlosem entsteht eine eigene Idee. Die Kinder sammeln handwerkliche Erfahrungen und lernen, Materialien mit anderen Augen zu sehen.
Am 3. Juli 2026 wurden die Hortkinder mit einer eigenen Juniorausstellung selbst zu Ausstellenden. Ihre Arbeiten waren dort zu sehen, wo sonst erwachsene Künstler ausstellen. So erleben die Kinder, dass ihre Ideen und Werke wichtig sind. Viele von ihnen arbeiten im Kunsthaus konzentrierter als in ihrer vertrauten Hortumgebung.
Die Zusammenarbeit wird auf Wunsch der Kinder, Eltern und Erzieher fortgesetzt. Künftig sollen weitere Künstler des Kunsthaus-Teams hinzukommen und zusätzliche Techniken der zirkulären Kunst vermitteln. Während „Treffpunkt Kunsthaus Lübz“ bieten auch die internationalen Gäste Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an.
Treffpunkt Kunsthaus Lübz
Ausstellung, Rahmenprogramm und Kunstvermittlung gehören im Kunsthaus zusammen. Kunst wird nicht nur gezeigt. Künstler arbeiten miteinander, Besucher kommen mit ihnen ins Gespräch und können selbst tätig werden. So wird zeitgenössische Kunst in einer kleinen Stadt unmittelbar erfahrbar. Was das Kunsthaus heute ausstrahlt, ist der Arbeit seines Teams zu verdanken. Es sorgt für verlässliche Öffnungszeiten, wechselnde Ausstellungen, Werkstätten, Kooperationen und eine beständige Öffentlichkeitsarbeit. So bringt es Kunst und Kultur in den Lübzer Ortskern und wird zunehmend auch über die Stadt hinaus wahrgenommen.
Aus einem fast ungenutzten Gebäude ist ein lebendiger Kunst- und Begegnungsort geworden. Seine Akzeptanz in Lübz wächst. Eine Würdigung durch den KUNST HEUTE Preis könnte diese Entwicklung sichtbar machen und dem noch jungen Kunsthaus zusätzlichen Rückhalt geben.
Eingereicht von Stefan Thiel.
Lübz, August 2026


Leave a reply